Crash im Autopilot-Modus: Xiaomi-Aktie stürzt nach tödlichem Unfall ab

Schwere Vorwürfe gegen Fahrerassistenzsystem

Ein tödlicher Unfall mit einem SU7-Elektroauto von Xiaomi sorgt für erhebliche Unruhe am Markt. Laut dem Unternehmen ereignete sich der Vorfall am 29. März auf einer Schnellstraße in der chinesischen Provinz Anhui. Das Fahrzeug befand sich zu diesem Zeitpunkt im Modus „Navigate on Autopilot“ und fuhr mit 116 Kilometern pro Stunde. Kurz vor dem Aufprall übernahm der Fahrer laut Unternehmensangaben wieder die Kontrolle, versuchte zu bremsen – prallte jedoch mit 97 km/h gegen eine Betonabsperrung. Drei Menschen kamen dabei ums Leben.

Kursrutsch bei Xiaomi – Anleger reagieren verunsichert

Die Börse reagierte prompt: Die Xiaomi-Aktie verlor in Hongkong bis zu 6,3 % und ging mit einem Minus von 5,5 % aus dem Handel. Insgesamt ist der Kurs seit dem jüngsten Kapitalmarktmanöver, bei dem 5,5 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung der Expansion des Elektroautogeschäfts eingesammelt wurden, um rund 18 % eingebrochen. Analyst Shen Meng von der Investmentbank Chanson & Co. sieht in dem Unfall einen möglichen Wendepunkt: „Investoren könnten Zweifel an Xiaomis Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsperspektiven entwickeln.“

Unfall im Detail – technische Analyse läuft

Xiaomi hat den Behörden bereits Fahr- und Systemdaten zur Verfügung gestellt. Erste Erkenntnisse zeigen, dass der Fahrerassistenzmodus weniger als 20 Minuten vor dem Aufprall aktiviert wurde. Warnungen wurden ausgelöst, da der Fahrer das Lenkrad nicht berührte. Nach einem weiteren Warnhinweis über ein Hindernis auf der Straße griff der Fahrer wieder ein – Sekunden später kam es zum Aufprall. Das Fahrzeug geriet sofort in Brand, nur das Stahlchassis blieb übrig.

Sicherheitsdebatte rund um teilautomatisierte Systeme

Xiaomis „Navigate on Autopilot“ kann laut Hersteller automatisch beschleunigen, abbremsen, Spur wechseln und abbiegen. Dennoch rät das Unternehmen zur aktiven Aufmerksamkeit – ein Missverständnis, das auch Tesla und andere Hersteller seit Jahren beschäftigt. In China ist es gesetzlich verboten, die Hände vom Lenkrad zu nehmen – selbst bei eingeschaltetem Assistenzsystem.

Kein CATL-Akku im verunglückten Fahrzeug

Das Unfallfahrzeug war mit der Standardversion des Assistenzsystems ausgestattet, das ausschließlich auf visuelle Sensoren setzt. Die Premiumversion verwendet zusätzlich LiDAR-Technologie. Der Batteriehersteller CATL teilte mit, dass seine Akkus nicht in dem verunglückten SU7 verbaut waren. BYD erklärte, lediglich Batteriezellen an Xiaomi zu liefern – das Batteriepaket werde vom Autohersteller selbst entwickelt.

Zukunftsprojekt unter Druck

Der Unfall trifft Xiaomi zu einem heiklen Zeitpunkt: Erst im vergangenen Jahr war der Tech-Konzern in den EV-Markt eingestiegen, der SU7 gilt als strategisches Wachstumsprojekt. Erst im März wurde das Verkaufsziel für 2025 auf 350.000 Einheiten angehoben. Die laufenden Untersuchungen und mögliche regulatorische Konsequenzen könnten das Vertrauen der Verbraucher und Investoren nun auf eine harte Probe stellen.