Kollaps an der Börse: Nikola-Aktie stürzt ab

Die Nikola-Aktien erlebten am Freitag einen dramatischen Absturz, nachdem das Wall Street Journal über die prekären finanziellen Verhältnisse des Unternehmens berichtete. Insidern zufolge arbeitet der angeschlagene Wasserstoff-LKW-Hersteller bereits mit der Kanzlei Pillsbury Winthrop Shaw Pittman zusammen, um mögliche Rettungsoptionen wie eine Umstrukturierung oder sogar einen Verkauf auszuloten. Schon vor zwei Wochen hatte die Aktie stark nachgegeben, als erste Verkaufsgerüchte kursierten.

Im vorbörslichen Handel brach die Nikola-Aktie um bis zu 32 Prozent ein und fiel auf nur noch 51 Cent – ein dramatischer Wertverlust für das einst hochgehandelte Unternehmen. Seit dem Börsengang hat das Papier damit über 99 Prozent an Wert eingebüßt.

Vom Wasserstoff-Hoffnungsträger zum Skandalunternehmen

Nikola galt einst als große Zukunftshoffnung in der Wasserstoff- und Elektro-LKW-Branche. 2020 ging das Unternehmen mit einer atemberaubenden Bewertung von 30 Milliarden US-Dollar an die Börse – obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen LKW verkauft hatte. Zeitweise war Nikola damit sogar wertvoller als Ford.

Doch noch im selben Jahr platzte die Blase: Der Shortseller Hindenburg Research erhob schwere Vorwürfe gegen Nikola und unterstellte dem Unternehmen, Investoren über den tatsächlichen technologischen Fortschritt getäuscht zu haben. Die Anschuldigungen bewahrheiteten sich: 2022 wurde Gründer Trevor Milton wegen Wertpapierbetrugs verurteilt. Er hatte Anleger gezielt mit falschen Angaben zur emissionsfreien Technologie des Unternehmens irregeführt. Nach jahrelangem Schweigen meldete sich Milton Anfang 2025 zurück und kündigte auf Social Media an, bald die „wahre Geschichte hinter den Kulissen“ zu enthüllen.

Liquiditätskrise und technische Probleme – ist das Ende besiegelt?

Um die laufenden Kosten zu decken, gab Nikola im Dezember 2024 Schuldtitel und Aktien im Wert von 300 Millionen US-Dollar aus. Doch laut Finanzchef Thomas Okray reicht die Liquidität nur noch bis April 2025. Trotz der Produktion von mehr als 80 wasserstoffbetriebenen LKWs rutschte Nikola zuletzt tief in die roten Zahlen: Im letzten Quartal 2024 verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von fast 200 Millionen US-Dollar.

Experten sehen neben den finanziellen Schwierigkeiten auch ein fundamentales Problem in der Technologie. Colin Adams, Partner der Restrukturierungsberatung Uzzi & Lall, stellt fest: "Wir erleben hier den Wettstreit zwischen Kapital und Physik – und momentan scheint die Physik zu gewinnen." Die schweren und ineffizienten Batterien stellen nach wie vor eine große Herausforderung für den wirtschaftlichen Langstreckeneinsatz von Wasserstoff-LKWs dar. Sollte Nikola keinen Weg aus der Krise finden, könnte das einstige Vorzeigeunternehmen endgültig vor dem Aus stehen.