Scalping - Extrem kurzfristige Trades Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Swing-Trader Nächster Begriff: Momentum-Trading - Auf starke Kursbewegungen setzen
Definition im Lexikon
Scalping ist eine hochfrequente Handelsstrategie, bei der Trader versuchen, durch sehr schnelle und kleine Preisbewegungen Gewinne zu erzielen. Im Gegensatz zu Swing-Tradern oder Daytradern, die Positionen über mehrere Stunden oder Tage halten, schließen Scalper ihre Trades oft innerhalb weniger Sekunden bis Minuten.
Scalping erfordert eine hohe Marktgeschwindigkeit, eine effiziente Orderausführung und eine sehr gute technische Infrastruktur. Scalper nutzen oft gehebelte Produkte, um kleine Kursbewegungen zu maximieren, und tätigen Dutzende bis Hunderte von Trades pro Tag.
Merkmale des Scalping
- Extrem kurze Haltedauer: Positionen werden oft innerhalb von Sekunden oder Minuten geschlossen.
- Hohe Handelsfrequenz: Scalper führen viele kleine Trades am Tag aus.
- Kleine Gewinnziele: Jeder Trade zielt auf wenige Pips oder Cents ab, oft nur 0,1 % bis 0,5 % Kursbewegung.
- Technische Analyse dominiert: Fundamentaldaten spielen eine untergeordnete Rolle.
- Enge Spreads und hohe Liquidität erforderlich: Am besten geeignet für Währungspaare, Indizes und liquide Aktien.
- Hoher Kapitalumschlag: Viele kleine Gewinne summieren sich zu einer großen Tagesrendite.
Typische Märkte für Scalping
Scalping kann in verschiedenen Märkten angewendet werden:
- Forex (Devisenmarkt): Ideal für Scalping, da Währungspaare hohe Liquidität und enge Spreads haben.
- Aktienmarkt: Besonders bei hochmodernen und liquiden Aktien geeignet.
- Futures: Beliebt für Scalping in Rohstoffen, Indizes und Zinsen.
- Kryptowährungen: Starke Kursbewegungen und hohe Volatilität bieten Scalping-Chancen.
Typische Scalping-Strategien
1. Market-Making-Strategie
Scalper platzieren gleichzeitig Kauf- und Verkaufsorders, um vom Bid-Ask-Spread zu profitieren.
- Diese Strategie funktioniert am besten bei hoher Liquidität und engen Spreads.
- Erfordert eine schnelle Orderausführung und geringe Handelskosten.
2. Momentum-Scalping
Scalper nutzen plötzliche Preisbewegungen in eine Richtung und versuchen, innerhalb dieser Welle zu handeln.
- Sie steigen ein, wenn der Preis stark steigt oder fällt, und schließen den Trade nach wenigen Sekunden oder Minuten.
- Oft in Kombination mit Nachrichtenhandel oder starken Volumenbewegungen.
3. Breakout-Scalping
Diese Strategie basiert auf dem Durchbruch von Widerstand oder Unterstützung.
- Scalper platzieren Orders knapp über oder unter diesen Marken.
- Nach einem Durchbruch schließen sie ihre Position nach wenigen Pips Gewinn.
4. Rebound-Scalping (Pullback-Trading)
Scalper warten auf kleine Rücksetzer (Pullbacks) innerhalb eines Trends.
- Sie steigen ein, wenn der Markt vorübergehend korrigiert, aber sich noch im Haupttrend befindet.
- Profitieren von der schnellen Rückkehr zum übergeordneten Trend.
Technische Indikatoren für Scalping
Scalper verwenden spezialisierte Indikatoren, um schnelle Bewegungen zu erkennen:
- Moving Averages (EMA 9, EMA 21): Zeigen kurzfristige Trendrichtungen.
- Bollinger Bänder: Helfen, Überkauft- und Überverkauft-Zonen zu identifizieren.
- MACD (Moving Average Convergence Divergence): Identifiziert Momentum und Trendwechsel.
- RSI (Relative Strength Index): Hilft bei der Erkennung von kurzfristigen Umkehrpunkten.
- Level-2-Orderbuch: Zeigt Kauf- und Verkaufsaufträge, um Marktbewegungen vorherzusagen.
Voraussetzungen für erfolgreiches Scalping
1. Hochleistungs-Handelsplattform und schnelle Internetverbindung
- Orderausführung muss in Millisekunden erfolgen.
- Latenz (Verzögerung bei der Orderausführung) sollte so gering wie möglich sein.
2. Geringe Transaktionskosten
- Da Scalping viele Trades beinhaltet, sind enge Spreads und geringe Gebühren essenziell.
- Hohe Kosten können potenzielle Gewinne zunichtemachen.
3. Emotionale Kontrolle und Disziplin
- Kein Platz für emotionale Entscheidungen, da schnelle Verluste auftreten können.
- Stopp-Loss-Strategien sind entscheidend, um Kapitalverluste zu minimieren.
Vorteile des Scalping
- Viele Gewinnchancen pro Tag: Da viele kleine Trades ausgeführt werden, summieren sich Gewinne schnell.
- Keine Übernacht-Risiken: Positionen werden vor Marktschluss geschlossen.
- Geeignet für volatile Märkte: Scalper profitieren von schnellen Preisschwankungen.
- Schnelle Kapitalrotation: Kapital wird nicht langfristig gebunden.
Nachteile und Risiken des Scalping
- Hohe Gebühren durch viele Transaktionen: Spreads und Kommissionen können Gewinne reduzieren.
- Erhöhter Stresslevel: Ständiges Beobachten des Marktes erfordert hohe Konzentration.
- Nicht für Anfänger geeignet: Schnelle Entscheidungen erfordern Erfahrung und Disziplin.
- Technische Probleme: Langsame Internetverbindung oder Systemausfälle können große Verluste verursachen.
Scalping vs. Daytrading vs. Swing-Trading
Merkmal | Scalping | Daytrading | Swing-Trading |
---|---|---|---|
Haltedauer | Sekunden bis Minuten | Minuten bis Stunden, max. 1 Tag | Mehrere Tage bis Wochen |
Handelsfrequenz | Sehr hoch (Dutzende bis Hunderte Trades pro Tag) | Hoch (mehrere Trades pro Tag) | Mittel (wenige Trades pro Woche) |
Analyseform | Technische Analyse, Level-2-Orderbuch | Technische Analyse, Momentum-Trading | Mischung aus technischer und fundamentaler Analyse |
Risikoprofil | Sehr hoch | Hoch | Mittel |
Zeiteinsatz | Sehr hoch, fast konstante Marktbeobachtung | Hoch, ganztägige Marktüberwachung | Moderat, Überprüfung mehrmals pro Woche |
Hauptziel | Gewinn aus kleinsten Marktbewegungen | Gewinn aus intraday-Kursbewegungen | Gewinn aus kurzfristigen Markttrends |
Scalping ist ideal für hochaktive Trader, die es bevorzugen, in sehr kurzen Zeitfenstern zu handeln und keine Overnight-Risiken eingehen möchten.
Regulierungen und Steuern für Scalper
- In den USA: Reguliert durch die SEC und FINRA, es gibt Mindestkapitalanforderungen für Margin-Trading.
- In Deutschland: Gewinne aus Scalping unterliegen der Abgeltungssteuer (26,375 % inkl. Solidaritätszuschlag, ggf. Kirchensteuer).
- In anderen Ländern: Steuerregelungen für Kapitalerträge variieren, oft abhängig von der Haltedauer.
Fazit
Scalping ist eine der schnellsten und anspruchsvollsten Handelsstrategien. Sie erfordert eine schnelle Orderausführung, geringe Handelskosten, starke Disziplin und technisches Know-how.
Obwohl Scalping potenziell hohe Gewinne ermöglicht, birgt es auch erhebliche Risiken, insbesondere durch hohe Gebühren, emotionale Belastung und extreme Marktvolatilität.
Erfolgreiche Scalper nutzen klare Strategien, technologische Hilfsmittel und striktes Risikomanagement, um kontinuierlich Gewinne zu erzielen. Anfänger sollten sich jedoch bewusst sein, dass Scalping hohes Fachwissen und Erfahrung erfordert, bevor es profitabel umgesetzt werden kann.