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Savings and Loan Associations (S&Ls) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Bank of England (BoE) Nächster Begriff: Quantitative Easing (QE)

Eine Organisation, die ursprünglich als Hypothekenfinanzierer für den Mittelstand gedacht war, aber durch die Deregulierung der 1980er Jahre in eine massive Krise gestürzt wurde

Savings and Loan Associations (S&Ls) sind Finanzinstitute in den USA, die sich traditionell auf die Vergabe von Hypothekendarlehen für Privatpersonen spezialisiert haben. Sie wurden ursprünglich gegründet, um den Wohnungserwerb der Mittelschicht zu fördern und eine Alternative zu Geschäftsbanken zu bieten.

Besonders bekannt wurden S&Ls durch die Savings and Loan-Krise der 1980er Jahre, bei der über 1.000 dieser Institute insolvent gingen. Diese Krise führte zu einer umfangreichen Neuregulierung des S&L-Sektors durch den Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA) von 1989.

Ursprung und Entwicklung der S&Ls

Die ersten Savings and Loan Associations entstanden in den USA im 19. Jahrhundert, um Bürgern den Zugang zu Hypothekenkrediten zu erleichtern. Die wichtigsten Merkmale waren:

  • Genossenschaftliches Modell: Kunden waren sowohl Sparer als auch Kreditnehmer.
  • Fokus auf Wohnungsbaufinanzierung: Kredite wurden hauptsächlich für den Kauf von Eigenheimen vergeben.
  • Regionale Ausrichtung: S&Ls waren oft lokal tätig und dienten bestimmten Gemeinden.

Die US-Regierung unterstützte S&Ls durch verschiedene Maßnahmen:

  • Federal Home Loan Bank Act (1932): Gründung der Federal Home Loan Banks (FHLBanks) zur Bereitstellung günstiger Kredite für S&Ls.
  • National Housing Act (1934): Einführung der Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC) zur Einlagensicherung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten die S&Ls einen Boom, da Millionen von Amerikanern Wohneigentum erwarben. In den 1960er Jahren hatten S&Ls einen Marktanteil von über 50 % bei Hypothekenfinanzierungen.

Funktionsweise von Savings and Loan Associations

S&Ls funktionierten nach einem einfachen Prinzip:

  • Kunden legten Ersparnisse auf Spar- oder Festgeldkonten an.
  • Diese Einlagen wurden als Hypothekenkredite an andere Kunden vergeben.
  • Zinsen auf Hypotheken waren höher als Sparzinsen, wodurch S&Ls Gewinne erzielten.

Da S&Ls nicht die gleichen regulatorischen Anforderungen wie Geschäftsbanken hatten, konnten sie oft attraktivere Hypothekenzinsen anbieten.

Probleme und Deregulierung der S&Ls

In den 1970er Jahren gerieten S&Ls zunehmend in Schwierigkeiten, hauptsächlich wegen:

  1. Zinsanstieg durch die Federal Reserve

    • S&Ls vergaben langfristige Hypotheken mit festen niedrigen Zinssätzen.
    • Die US-Notenbank (Fed) erhöhte jedoch in den 1970er Jahren die Zinssätze stark.
    • Dadurch mussten S&Ls höhere Zinsen auf Einlagen zahlen, erhielten aber nur niedrige Zinsen aus bestehenden Hypotheken.
    • Dies führte zu massiven Verlusten.
  2. Deregulierung und riskante Geschäfte

    • Der Depository Institutions Deregulation and Monetary Control Act (1980) hob Zinsobergrenzen für Einlagen auf.
    • Der Garn-St Germain Depository Institutions Act (1982) erlaubte S&Ls, in gewerbliche Immobilienprojekte und spekulative Investments zu investieren.
    • Viele S&Ls begannen, riskante Kredite und Beteiligungen an Immobilienprojekten einzugehen.
  3. Betrug und Missmanagement

    • Die gelockerten Vorschriften führten zu Korruption und Misswirtschaft.
    • Mehrere S&Ls wurden von kriminellen Investoren übernommen, die riskante oder betrügerische Geschäfte durchführten.

Die Savings and Loan-Krise der 1980er Jahre

Diese Probleme führten zur Savings and Loan-Krise, die in den 1980er Jahren eskalierte.

  • Über 1.000 S&Ls gingen bankrott, wodurch Millionen von Kunden betroffen waren.
  • Die FSLIC (Einlagensicherung für S&Ls) ging 1987 bankrott, da sie nicht genügend Mittel hatte, um die Verluste zu decken.
  • Die Krise führte zu geschätzten Kosten von über 150 Milliarden US-Dollar für die US-Steuerzahler.

Die US-Regierung reagierte mit dem Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA) von 1989:

  • Auflösung der FSLIC → Übertragung der Einlagensicherung an die FDIC.
  • Gründung der Resolution Trust Corporation (RTC) → Abwicklung insolventer S&Ls.
  • Striktere Regulierung für S&Ls, darunter höhere Kapitalanforderungen.

Heutige Rolle der S&Ls

Nach der Krise schrumpfte die Zahl der S&Ls drastisch:

  • 1980 gab es über 4.000 S&Ls in den USA.
  • Heute existieren nur noch etwa 600, die meist als reguläre Banken operieren.

Die verbleibenden S&Ls haben sich stark verändert:

  • Sie bieten nun ein breiteres Spektrum an Finanzdienstleistungen an (z. B. Konsumkredite, Online-Banking).
  • Viele S&Ls wurden in normale Geschäftsbanken umgewandelt oder von größeren Banken übernommen.
  • Die Regulierung ist heute strenger, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern.

Fazit

Savings and Loan Associations (S&Ls) spielten eine zentrale Rolle in der Geschichte der US-Finanzwirtschaft. Ursprünglich als Hypothekenfinanzierer für den Mittelstand gedacht, wurden sie durch die Deregulierung der 1980er Jahre in eine massive Krise gestürzt.

Die Savings and Loan-Krise führte zu umfassenden Reformen und einer starken Reduzierung der S&Ls. Heute haben sie weitgehend ihre ursprüngliche Bedeutung verloren, da Geschäftsbanken und Online-Finanzdienstleister den Markt für Wohnungsbaukredite dominieren.

Trotzdem bleibt die Geschichte der S&Ls eine wichtige Lehre über die Risiken der Deregulierung und die Notwendigkeit einer effektiven Bankenaufsicht.