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Lehman Brothers (2007/2008) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Bear Stearns (2007/2008) Nächster Begriff: Troubled Asset Relief Program (TARP)

Das entscheidende Ereignis, das die Finanzkrise eskalieren ließ, da sich die Bank durch exzessive Risiken, hohe Fremdfinanzierung und eine fatale Fehleinschätzung des Immobilienmarktes selbst in den Abgrund manövriert hatte

Lehman Brothers war eine der größten Investmentbanken der USA und spielte eine zentrale Rolle in der Finanzkrise 2007/2008. Der Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Firmenpleite in der US-Geschichte und gilt als entscheidender Wendepunkt der globalen Finanzkrise. Der Bankrott der über 150 Jahre alten Investmentbank löste Schockwellen auf den Finanzmärkten aus, führte zu massiven Verwerfungen im Bankensektor und verschärfte die weltweite wirtschaftliche Rezession.

Hintergrund: Die Rolle von Lehman Brothers

Lehman Brothers wurde 1850 gegründet und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer der führenden Investmentbanken der Welt. Das Unternehmen war vor allem in folgenden Bereichen aktiv:

  • Handel mit Wertpapieren und Anleihen
  • Investmentbanking und Unternehmensberatung
  • Handel mit Hypothekenanleihen (Mortgage-Backed Securities, MBS)
  • Spezialisierung auf Verbriefung von Hypothekenkrediten

Während des US-Immobilienbooms in den frühen 2000er-Jahren engagierte sich Lehman Brothers stark im Markt für hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) und übernahm eine führende Rolle bei der Verbriefung von Subprime-Hypotheken. Dies machte die Bank besonders anfällig, als die Immobilienblase 2007 zu platzen begann.

Die Krise von Lehman Brothers (2007–2008)

1. Der Immobilienboom und die riskante Geschäftsstrategie

Zwischen 2003 und 2006 stiegen die Immobilienpreise in den USA stark an. Lehman Brothers beteiligte sich aggressiv am Hypothekenmarkt:

  • Kauf und Verbriefung von Subprime-Krediten (hochriskante Hypotheken mit schlechter Bonität)
  • Emission großer Mengen an Mortgage-Backed Securities (MBS)
  • Hohe Fremdfinanzierung (Leverage Ratio über 30:1), um die Renditen zu maximieren

Diese Strategie funktionierte nur, solange die Immobilienpreise weiter stiegen.

2. Das Platzen der Immobilienblase (2007)

Ab 2007 begannen die Hauspreise zu fallen, und die Zahlungsausfälle auf Subprime-Hypotheken nahmen drastisch zu. Dies hatte für Lehman Brothers schwerwiegende Folgen:

  • MBS und CDOs verloren massiv an Wert
  • Zahlungsausfälle führten zu Milliardenverlusten
  • Ratingagenturen stuften Lehman-Anleihen herab, wodurch sich die Refinanzierungskosten erhöhten

Lehman Brothers hielt bis Mitte 2008 riskante Hypothekenpapiere im Wert von über 60 Milliarden US-Dollar in seinen Bilanzen – eine enorme Belastung.

3. Vertrauensverlust und Liquiditätskrise (2008)

Während der ersten Jahreshälfte 2008 versuchte Lehman Brothers, durch Kapitalerhöhungen und Verkäufe von Vermögenswerten seine Liquidität zu sichern.

  • März 2008: Der Zusammenbruch von Bear Stearns verdeutlichte, wie kritisch die Lage für Investmentbanken war.
  • Juni 2008: Lehman meldete Verluste von 2,8 Milliarden US-Dollar – der erste Quartalsverlust seit Jahrzehnten.
  • September 2008: Die Bank verzeichnete Rekordverluste von 3,9 Milliarden US-Dollar.

Investoren und Geschäftspartner verloren das Vertrauen, was zu massiven Kapitalabzügen führte.

4. Rettungsverhandlungen scheitern (September 2008)

Anfang September 2008 wurde klar, dass Lehman Brothers ohne externe Hilfe nicht überleben konnte. Die US-Regierung und die Federal Reserve versuchten, eine Rettungslösung zu finden:

  • Barclays (Großbritannien) und Bank of America führten Verhandlungen über eine Übernahme.
  • Die US-Regierung verweigerte staatliche Garantien, da man eine direkte Rettung wie bei Bear Stearns vermeiden wollte.

Da keine Rettungslösung gefunden wurde, beantragte Lehman Brothers am 15. September 2008 Insolvenz.

Folgen des Bankrotts von Lehman Brothers

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers hatte weitreichende Auswirkungen auf das globale Finanzsystem:

1. Panik auf den Finanzmärkten

  • Der Dow Jones fiel am 15. September 2008 um über 500 Punkte, der stärkste Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001.
  • Investoren verkauften massenhaft Aktien und flüchteten in sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen.

2. Vertrauenskrise im Bankensektor

  • Banken misstrauten sich gegenseitig, was zur Einfrierung des Interbankenmarktes führte.
  • Die Kreditvergabe brach ein, was die globale Wirtschaft belastete.

3. Zusammenbruch des Geldmarktfonds „Reserve Primary Fund“

  • Dieser Fonds hatte Lehman-Anleihen gehalten und geriet nach dem Bankrott in Schwierigkeiten.
  • Es folgte eine Flucht aus Geldmarktfonds, was die Liquiditätsprobleme verstärkte.

4. Rettungsaktionen und Notmaßnahmen der Regierung

  • Die US-Regierung stellte 700 Milliarden US-Dollar durch das Troubled Asset Relief Program (TARP) bereit, um Banken zu stabilisieren.
  • Die Federal Reserve senkte die Leitzinsen auf nahezu 0 % und begann mit massiven Anleihekäufen (Quantitative Easing).
  • Große Banken wie AIG, Citigroup und Bank of America mussten staatlich gestützt werden.

Langfristige Auswirkungen der Lehman-Pleite

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers führte zu tiefgreifenden Veränderungen im Finanzsystem:

  1. Strengere Bankenregulierung

    • Einführung des Dodd-Frank Act (2010) zur Vermeidung systemischer Risiken.
    • Verschärfte Eigenkapitalanforderungen (Basel III) für Banken.
  2. Wirtschaftsrezession und Arbeitslosigkeit

    • Die Krise führte zur schwersten Rezession seit der Großen Depression.
    • Millionen von Arbeitsplätzen gingen weltweit verloren.
  3. Neue Mechanismen zur Bankenrettung

    • Einführung von „Living Wills“, um geordnete Insolvenzen von Großbanken zu ermöglichen.
    • Strengere Stresstests für Banken zur Überprüfung der Krisenfestigkeit.

Fazit

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15. September 2008 war das entscheidende Ereignis, das die Finanzkrise eskalieren ließ. Die Bank hatte sich durch exzessive Risiken, hohe Fremdfinanzierung und eine fatale Fehleinschätzung des Immobilienmarktes selbst in den Abgrund manövriert.

Die Insolvenz löste eine globale Banken- und Wirtschaftskrise aus, die zu massiven staatlichen Rettungsaktionen und tiefgreifenden Finanzmarktreformen führte. Trotz aller Reformen bleibt die Frage, ob das globale Finanzsystem heute tatsächlich widerstandsfähiger gegen Krisen dieser Art ist – oder ob ein ähnlicher Zusammenbruch in Zukunft erneut droht.