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Erster New Deal (1933–1934) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: New Deal (1933) Nächster Begriff: Bank Holiday und Banking Act (1933)

Eine dringend notwendige Krisenreaktion, die den Zusammenbruch des Bankensystems verhinderte, die Arbeitslosigkeit bekämpfte und die Wirtschaft stabilisierte

Der Erste New Deal (1933–1934) war die erste Phase eines umfassenden wirtschaftlichen Reformprogramms, das der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt nach seinem Amtsantritt im März 1933 initiierte, um die verheerenden Folgen der Großen Depression zu bekämpfen. Diese Maßnahmen zielten darauf ab, die Wirtschaft kurzfristig zu stabilisieren, das Bankensystem zu retten, die Arbeitslosigkeit zu senken und das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung und die Finanzmärkte wiederherzustellen.

Hintergrund des Ersten New Deal

Nach dem Börsencrash von 1929 geriet die US-Wirtschaft in eine tiefe Krise:

  • Die Arbeitslosenquote stieg auf über 25 %.
  • Tausende Banken kollabierten, Millionen Menschen verloren ihre Ersparnisse.
  • Die Industrieproduktion fiel um über 40 %, während die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse einbrachen.
  • Die sinkende Kaufkraft und die hohe Verschuldung führten zu einer Deflationsspirale.

Als Franklin D. Roosevelt am 4. März 1933 das Präsidentenamt übernahm, musste er sofort handeln. In seinen ersten 100 Tagen erließ er eine Reihe von Notfallgesetzen, die die Grundlage für den Ersten New Deal bildeten.

Maßnahmen des Ersten New Deal

Die Maßnahmen des Ersten New Deal konzentrierten sich auf drei Hauptbereiche: Banken- und Finanzreformen, Beschäftigungsprogramme und Wirtschaftsregulierungen.

1. Banken- und Finanzreformen

Der Finanzsektor musste schnell stabilisiert werden, um einen völligen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Dazu gehörten:

  • Emergency Banking Act (1933)

    • Banken wurden für mehrere Tage geschlossen („Bank Holiday“), um einen Bank-Run zu verhindern.
    • Nur finanziell stabile Banken durften nach einer Überprüfung wieder öffnen.
    • Dies stellte das Vertrauen in das Bankensystem teilweise wieder her.
  • Glass-Steagall Act (1933)

    • Trennung von Geschäftsbanken (Kundeneinlagen, Kredite) und Investmentbanken (Börsenspekulationen).
    • Verbot riskanter Spekulationen mit Kundengeldern.
    • Einführung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) zur Absicherung von Bankeinlagen.
  • Securities Act (1933)

    • Einführung strengerer Transparenzvorschriften für Unternehmen an der Börse.
    • Ziel war die Verhinderung von Spekulationsblasen wie vor dem Crash von 1929.

2. Beschäftigungsprogramme

Ein Kernproblem war die hohe Arbeitslosigkeit. Um Millionen Menschen schnell wieder in Arbeit zu bringen, wurden staatlich finanzierte Beschäftigungsprogramme ins Leben gerufen.

  • Civilian Conservation Corps (CCC, 1933)

    • Beschäftigte junge Männer in Aufforstungs-, Straßenbau- und Umweltschutzprojekten.
    • Schuf in wenigen Jahren über 3 Millionen Arbeitsplätze.
  • Public Works Administration (PWA, 1933)

    • Finanzierung großer Infrastrukturprojekte (Brücken, Straßen, Dämme, Schulen).
    • Ziel: Langfristige wirtschaftliche Stabilität und Schaffung neuer Arbeitsplätze.
  • Federal Emergency Relief Administration (FERA, 1933)

    • Direkte finanzielle Hilfen an Bundesstaaten zur Unterstützung Arbeitsloser.

3. Wirtschafts- und Agrarreformen

Um die Wirtschaft langfristig zu stabilisieren, griff die Regierung in die Märkte ein und versuchte, Angebot und Nachfrage auszugleichen.

  • National Industrial Recovery Act (NIRA, 1933)

    • Einführung von Mindestlöhnen und Arbeitszeitbegrenzungen.
    • Förderung von Tarifverträgen zur Stärkung der Gewerkschaften.
    • Gründung der National Recovery Administration (NRA) zur Koordination der Wirtschaftspolitik.
  • Agricultural Adjustment Act (AAA, 1933)

    • Ziel: Stabilisierung der landwirtschaftlichen Preise durch kontrollierte Produktion.
    • Bauern wurden dafür bezahlt, weniger anzubauen, um Überproduktion und Preisverfall zu stoppen.
    • Kritik: Kleinbauern und Landarbeiter profitierten wenig, oft wurden überschüssige Ernten vernichtet.
  • Tennessee Valley Authority (TVA, 1933)

    • Großprojekt zur wirtschaftlichen Entwicklung des Tennessee-Tals durch Wasserkraftwerke, Elektrifizierung und Modernisierung der Landwirtschaft.
    • Verbesserte die Lebensqualität in einer der ärmsten Regionen der USA.

Ergebnisse und Auswirkungen

Positive Effekte:

  • Das Bankensystem stabilisierte sich, und das Vertrauen in die Wirtschaft kehrte zurück.
  • Millionen Menschen erhielten durch staatliche Programme Arbeitsplätze.
  • Der Staat übernahm eine aktivere Rolle in der Wirtschaftsregulierung.
  • Die Preise stabilisierten sich, und erste Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung wurden sichtbar.

Kritik und Herausforderungen:

  • Viele Maßnahmen waren nur kurzfristige Lösungen und führten nicht sofort zu nachhaltigem Wachstum.
  • Der National Industrial Recovery Act (NIRA) wurde 1935 vom Obersten Gerichtshof als verfassungswidrig erklärt.
  • Der Agricultural Adjustment Act (AAA) benachteiligte kleine Landwirte und führte zu sozialer Ungleichheit.
  • Die hohe Staatsverschuldung durch die Programme sorgte für politische Kontroversen.

Trotz dieser Kritikpunkte legte der Erste New Deal die Grundlage für eine tiefgreifende wirtschaftspolitische Neuausrichtung, die im Zweiten New Deal (1935–1938) weiterentwickelt wurde.

Fazit

Der Erste New Deal war eine dringend notwendige Krisenreaktion, die den Zusammenbruch des Bankensystems verhinderte, die Arbeitslosigkeit bekämpfte und die Wirtschaft stabilisierte. Er markierte den Beginn einer neuen Wirtschaftsordnung, in der der Staat eine aktivere Rolle spielte. Während einige Maßnahmen nicht langfristig wirksam waren, legte der Erste New Deal die Basis für spätere Reformen und schuf Institutionen, die bis heute bestehen.