Call- und Put-Optionen Börsenlexikon Vorheriger Begriff: GameStop-Hype (2021) Nächster Begriff: Quote Stuffing
Vielseitige Finanzinstrumente, die sowohl für spekulative als auch für absichernde Strategien eingesetzt werden
Optionen sind Finanzinstrumente, die dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht geben, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen. Die beiden Hauptarten von Optionen sind Call-Optionen und Put-Optionen. Während Call-Optionen dem Inhaber das Recht einräumen, einen Basiswert zu kaufen, ermöglichen Put-Optionen den Verkauf des Basiswerts. Beide Optionen werden für spekulative Zwecke oder zur Absicherung gegen Kursbewegungen genutzt.
Grundlagen von Optionen
Optionen gehören zu den Derivaten, da ihr Wert von einem zugrunde liegenden Basiswert (z. B. Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen) abhängt. Jede Option hat folgende Kernmerkmale:
- Basiswert (Underlying): Das Finanzinstrument, auf das sich die Option bezieht.
- Ausübungspreis (Strike-Preis): Der Preis, zu dem der Basiswert gekauft (Call) oder verkauft (Put) werden kann.
- Laufzeit und Verfallstag: Der Zeitpunkt, bis zu dem die Option ausgeübt werden kann. Nach diesem Datum verfällt sie wertlos.
- Optionsprämie: Der Preis, den der Käufer für das Recht zahlt, die Option auszuüben.
- Optionsart: Amerikanische Optionen können jederzeit vor dem Verfallstag ausgeübt werden, während europäische Optionen nur am Verfallstag ausübbar sind.
Call-Optionen: Das Recht zu kaufen
Eine Call-Option gibt dem Inhaber das Recht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Sie wird genutzt, wenn ein Anleger steigende Kurse erwartet.
Beispiel für eine Call-Option
Ein Investor kauft eine Call-Option auf eine Aktie mit folgenden Bedingungen:
- Aktueller Aktienkurs: 100 €
- Ausübungspreis: 110 €
- Optionsprämie: 5 €
- Laufzeit: 3 Monate
Szenario 1: Der Aktienkurs steigt auf 120 €
Der Anleger kann die Aktie für 110 € kaufen und sie sofort für 120 € verkaufen, was ihm einen Gewinn von 10 € pro Aktie einbringt. Nach Abzug der Prämie (5 €) beträgt der Nettogewinn 5 € pro Aktie.
Szenario 2: Der Aktienkurs bleibt unter 110 €
Die Option verfällt wertlos, da der Kauf des Basiswerts teurer wäre als der Marktpreis. Der Verlust beträgt die gezahlte Prämie von 5 €.
Kurs der Aktie | Gewinn aus Call-Option (ohne Prämie) | Nettogewinn (nach Prämie) |
---|---|---|
120 € | 10 € | 5 € |
110 € | 0 € | -5 € |
100 € | -5 € | -5 € |
Put-Optionen: Das Recht zu verkaufen
Eine Put-Option gibt dem Inhaber das Recht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Sie wird genutzt, wenn ein Anleger fallende Kurse erwartet oder sich gegen Verluste absichern möchte.
Beispiel für eine Put-Option
Ein Investor kauft eine Put-Option mit folgenden Bedingungen:
- Aktueller Aktienkurs: 100 €
- Ausübungspreis: 95 €
- Optionsprämie: 5 €
- Laufzeit: 3 Monate
Szenario 1: Der Aktienkurs fällt auf 85 €
Der Anleger kann die Aktie für 95 € verkaufen, obwohl sie nur 85 € wert ist. Der Gewinn beträgt 10 € pro Aktie, nach Abzug der Prämie bleibt ein Nettogewinn von 5 €.
Szenario 2: Der Aktienkurs steigt auf 105 €
Die Option verfällt wertlos, da der Anleger die Aktie am Markt teurer verkaufen könnte. Der Verlust entspricht der gezahlten Prämie von 5 €.
Kurs der Aktie | Gewinn aus Put-Option (ohne Prämie) | Nettogewinn (nach Prämie) |
---|---|---|
85 € | 10 € | 5 € |
95 € | 0 € | -5 € |
105 € | -5 € | -5 € |
Vergleich von Call- und Put-Optionen
Merkmal | Call-Option | Put-Option |
---|---|---|
Ziel | Spekulation auf steigende Kurse | Spekulation auf fallende Kurse |
Recht des Käufers | Kauf des Basiswerts | Verkauf des Basiswerts |
Maximales Verlustrisiko | Gezahlt Prämie | Gezahlt Prämie |
Maximales Gewinnpotenzial | Theoretisch unbegrenzt | Begrenzt durch den Nullpunkt des Basiswerts |
Einsatzmöglichkeiten von Optionen
Spekulation
Anleger nutzen Optionen, um mit begrenztem Kapital von Kursbewegungen zu profitieren. Eine Call-Option ist sinnvoll, wenn ein Kursanstieg erwartet wird, während eine Put-Option für fallende Kurse genutzt wird.
Absicherung (Hedging)
Optionen können als Schutz vor Kursverlusten dienen. Ein Investor kann eine Put-Option auf eine bereits gehaltene Aktie kaufen, um sich gegen einen möglichen Kursrückgang abzusichern.
Optionshandel für Einkommen
Ein Anleger kann Optionen verkaufen (Stillhalter sein), um Prämien zu kassieren. Der Verkauf einer Call-Option ist sinnvoll, wenn ein stabiler oder leicht fallender Markt erwartet wird, während der Verkauf einer Put-Option genutzt wird, um Aktien günstig zu kaufen.
Risiken und Vorteile von Optionen
Vorteile
- Begrenztes Verlustrisiko für Käufer: Der maximale Verlust entspricht der gezahlten Prämie.
- Hebelwirkung: Optionen ermöglichen es, mit wenig Kapital hohe Gewinne zu erzielen.
- Flexibilität: Optionen können zur Spekulation oder Absicherung genutzt werden.
Risiken
- Verlust der Prämie: Wenn der Basiswert nicht in die erwartete Richtung läuft, verfällt die Option wertlos.
- Zeitwertverlust: Der Wert einer Option nimmt mit der Zeit ab, insbesondere bei geringen Kursbewegungen.
- Hohe Komplexität: Optionen erfordern ein gutes Verständnis des Marktes und der Preisbildung.
Fazit
Call- und Put-Optionen sind vielseitige Finanzinstrumente, die sowohl für spekulative als auch für absichernde Strategien eingesetzt werden. Während Call-Optionen bei steigenden Kursen Gewinne ermöglichen, profitieren Put-Optionen von fallenden Kursen. Der Handel mit Optionen bietet Chancen, erfordert aber auch ein fundiertes Wissen über Marktbewegungen, Risiken und Preisbildung. Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein und Strategien entwickeln, um Verluste zu minimieren und Gewinne zu maximieren.